Historie

Geschichte des Kulturdenkmals Palais Biron

 

1824
Franz Xaver Degler, Bauer und Fuhrmann in der Stadt Baden (im Großherzogtum Baden), erwirbt das landwirtschaftliche Gut Falkensteg an der Straße von Baden nach Lichtental, nahe der Gemarkungsgrenze.

Ca. 1850
Die „Stadt Baden in Baden“ ist auf dem Höhepunkt ihrer „Franzosenzeit“ und gilt als „Europäische Sommerhauptstadt“. Durch Kultur, Spielbank und Bäderwesen steigt die Kleinstadt im Oos-Tal zu einem Anziehungspunkt für Majestäten, Diplomaten, Politiker, Geschäftsleute, Müßiggänger und Künstler aus aller Welt auf.

1856
Carl Borgnis, Juwelier aus Frankfurt am Main, erwirbt Gut Falkensteg und eine angrenzende Wiese.

1857
Johanna Merck, geborene Borgnis (1820-1906), übernimmt Gut Falkensteg von ihrem Vater. Zusätzlich erwirbt sie angrenzende Grundstücke von ihrem Nachbarn Carl Ludwig Frommel, dem angesehenen Großherzoglichen Galeriedirektor in Karlsruhe, welcher den Ruf Baden-Badens mit seinen Werken als Maler und Stahlstecher verbreitet.

1858
Das Bauernhaus von Gut Falkensteg wird abgetragen. Auf dem Plateau errichten Johanna und Ernst Merck die Villa Falkensteg im französischen Stil, mit herrlicher Sicht auf die Lichtentaler Allee (Architekt: Auguste de Meuron, Hamburg).

1859
In den drei Jahren seit Fertigstellung der Villa Falkensteg empfangen Ernst und Johanna Merck an die 1000 Gäste aus Europa und Übersee: Majestäten, Politiker, Diplomaten, Geschäftspartner, Künstler, Freunde und Verwandte. Im Laufe der Zeit bürgert sich als neue Bezeichnung „Villa Merck“ ein.

1862
Ernst Merck stirbt im Alter von 52 Jahren. Seine Ehefrau Johanna hält an der Villa Merck fest. Mit ihrem jüngsten Sohn Johannes verbringt sie jedoch viel Zeit in Frankreich und in der Schweiz.

1865
Vergrößerung der Villa Merck um zwei Seitenflügel, einen repräsentativen Freisitz im Obergeschoss und ein neues Mansarddach mit zusätzlichen Zimmern für das Personal.

1867 – 1879
Die Villa Merck wird zu einer „habsburgischen Repräsentanz“, als Johanna Mercks Schwiegersohn Karl Pfusterschmid von Hardtenstein (1826-1904) zum habsburgischen Gesandten in den deutschen Fürstentümern Baden, Württemberg und Hessen bestellt wird. Prominente Gäste sind das habsburgische Kaiserpaar Franz Josef I. und Elisabeth („Sissi“), Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta sowie Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck.

1895
Carl Heinrich von Merck aus Hamburg, der Sohn von Johanna und Ernst Merck, übernimmt das Anwesen im Wege einer Zwangsversteigerung von seiner Mutter. Er ist  außerdem Besitzer von Gut Sachsenwaldau im Sachsenwald und ein Freund Otto von Bismarcks.

1906
Baronin Johanna von Merck stirbt im Alter von 85 Jahren in Heidelberg.

1912
Gustav Adolf Redwitz (1877-1914), Mitgesellschafter der Baden-Badener Zigarettenfabrik Batschari, erwirbt die Villa Merck und nennt sie künftig „Villa Eden“. Redwitz lässt das Anwesen aufwendig renovieren und orientiert sich  bei der Innenausstattung am Stil der Zeit, dem Jugendstil (Architekt: Johannes Ev. Scherzinger, Baden-Baden). Der Park wird umgestaltet, mit Teich, Laubengang und privatem Tennisplatz.

Redwitz kommt 1914 auf einer Geschäftsreise in einem seiner neuen Automobile bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Architekt Scherzinger übernimmt die Verwaltung und vermietet die Villa an den deutsch-amerikanischen „Kaffee-Baron“ Hermann Sielcken. Zwei unverheiratete Schwestern des verunglückten Redwitz bleiben im Schweizerhaus wohnen.

1920
Françoise Prinzessin Biron von Kurland, geborene de Jaucourt (1874-1957), Ehefrau von Gustav Prinz Biron von Kurland (1859-1941), erwirbt die Villa Eden. Die Gutsbesitzer aus Groß-Wartenberg in Schlesien wählen Baden-Baden zum neuen Lebensmittelpunkt, nachdem ihr schlesischer Familienbesitz aufgrund des Versailler Vertrags 1919 teilweise an Polen fiel.

1939
Gustav und Françoise Biron verkaufen das Anwesen an die Stadt Baden-Baden, spätestens 1947 soll die Übergabe erfolgen.

1941
Gustav und Françoise Biron übergeben das Anwesen an die Stadt Baden-Baden und kehren früher als geplant nach Groß-Wartenberg in Schlesien zurück.

Im Palais Biron wird während des Zweiten Weltkriegs ein Lazarett eingerichtet, im Schweizerhaus ein Wöchnerinnenheim.

1945
Baden-Baden wird Zonenhauptstadt der französischen Besatzungszone. Die französische Militärverwaltung richtet im Palais Biron eine Dienststelle  des Gemeindienstes Sûrteré Nationale ein. Der aus dem Exil zurückkehrende Schriftsteller Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“) ist als Kulturbeauftragter der französischen Militärverwaltung tätig.

Die Franzosen gründen 1945 die Industrie- und Handelskammer Baden-Baden, zum Geschäftsführer wird 1949 Hanns Martin Schleyer bestellt.

1954
Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft gründen die Baden-Badener Unternehmergespräche (BBUG). Gründungspräsident wird Dr. Wolf-Dietrich von Witzleben.

1956
Teile des Parkgeländes des Palais Biron werden abgetrennt und mit der katholischen Kirche St. Josef sowie Wohnhäusern bebaut.

1957
Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wird das Palais Biron in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wieder eröffnet (Architekt: Kurt Walker, Baden-Baden). Die IHK Baden-Baden verlegt ihren Sitz ins Palais Biron, dort finden auch die Baden-Badener Unternehmergespräche statt.

1972
Die IHK Baden-Baden fusioniert mit der IHK Karlsruhe. Das Mietverhältnis mit der Stadt Baden-Baden wird fortgesetzt.

1976
Die Pläne zur Umwandlung des Palais Biron in ein Steigenberger Hotel, mit umfangreicher Bebauung des Parks, scheitern am Widerstand der IHK Karlsruhe.

1985
Die IHK Karlsruhe und die BBUG erwerben von der Stadt Baden-Baden das Palais Biron für eine symbolische Deutsche Mark und garantieren eine dauerhafte Nutzung.

1987
Die IHK Karlsruhe und die Baden-Badener Unternehmergespräche investieren sieben Millionen DM zur Erhaltung des Palais Biron und zur Nutzung als Tagungshaus der Wirtschaft (Architekt: Prof. Johannes A. Heinz Jakubeit, Karlsruhe).

1990
Im Jahr der deutschen Wiedervereinigung wird das Palais Biron Tagungshaus der Wirtschaft eröffnet. Die IHK Karlsruhe richtet die IHK-Hauptgeschäftsstelle Baden-Baden ein, die BBUG die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses e. V.

2004
Anlässlich des 350-jährigen Jubiläums der Lichtentaler Allee wird das Parkgelände saniert. Die Wege werden nach historischem Vorbild wiederhergestellt.

2009
Zum 150-jährigen Jubiläum erscheint das Buch „Palais Biron Baden-Baden. Eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte“ von Hans-Peter Mengele.

2010
Eine Rose des französischen Züchters Pierre Orard aus Lyon wird im Rahmen der Baden-Badener Rosentage auf den Namen „Palais Biron“ getauft.

Palais Biron und IHK Karlsruhe unterstützen die Bewerbung Baden-Badens als Unesco-Weltkulturerbe.