Majestäten, Politiker, Diplomaten gingen im Palais Biron ein und aus, zu den prominenten Gästen zählen das habsburgische Kaiserpaar Franz Josef I. und Elisabeth („Sissi“), Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta sowie Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck. In seiner wechselvollen Geschichte war das Palais im Besitz von Industriellen und Adeligen, wurde mehrmals umbenannt und während des Zweiten Weltkriegs zur Dienststelle des französischen Gemeindienstes Sûreté Nationale umfunktioniert. Heute, als Tagungshaus der Wirtschaft im Besitz der IHK Karlsruhe, knüpft es an das Flair seiner strahlenden Geschichte an.
Durch Kultur, Spielbank und Bäderwesen steigt die Kleinstadt im Oos-Tal Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Anziehungspunkt für Majestäten, Diplomaten, Politiker, Geschäftsleute, Müßiggänger und Künstler aus aller Welt auf und gilt als „Europäische Sommerhauptstadt“.
Geschichte des Kulturdenkmals Palais Biron
1824-1857: Anfänge als landwirtschaftliches Gut
Gut Falkensteg im Jahr 1827 (Kupferstich von C. Obach) Quelle: Stadtmuseum und Stadtarchiv Baden-Baden
1824 erwirbt Franz Xaver Degler, Bauer und Fuhrmann in der Stadt Baden, das landwirtschaftliche Gut Falkensteg. Durch Kultur, Spielbank und Bäderwesen steigt die Kleinstadt im Oos-Tal Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Anziehungspunkt für Majestäten, Diplomaten, Politiker, Geschäftsleute, Müßiggänger und Künstler aus aller Welt auf und gilt als „Europäische Sommerhauptstadt“.
1857-1862: Bau der Villa Falkensteig und zahlreiche Empfänge
Ernst Freiherr von Merck und Baronin Johanna von Merck mit ihren Kindern Quelle: Privatbesitz
1857 übernimmt Baronin Johanna von Merck Gut Falkensteg zusammen mit angrenzenden Grundstücken ihres Nachbarn Carl Ludwig Frommel, dem angesehenen Großherzoglichen Galeriedirektor in Karlsruhe, welcher den Ruf Baden-Badens mit seinen Werken als Maler und Stahlstecher verbreitet.
Sie lässt das Bauernhaus abtragen und errichtet mit dem Hamburger Architekten Auguste de Meuron im französischen Stil die Villa Falkensteg, mit herrlicher Sicht auf die Lichtentaler Allee. Das Ehepaar Merck empfängt in der Villa an die 1.000 Gäste aus Europa und Übersee: Majestäten, Politiker, Diplomaten, Geschäftspartner, Künstler, Freunde und Verwandte.

1862-1912: Umbenennung in Villa Merck, Aufstieg zur habsburgischen Repräsentanz

In den 1870er Jahren wird die Villa zu einer „habsburgischen Repräsentanz“, als Johanna Mercks Schwiegersohn Karl Pfusterschmid von Hardtenstein zum habsburgischen Gesandten in den deutschen Fürstentümern Baden, Württemberg und Hessen bestellt wird. Prominente Gäste sind das habsburgische Kaiserpaar Franz Josef I. und Elisabeth („Sissi“), Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta sowie Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck.
1895 übernimmt Sohn Carl Heinrich von Merck das Anwesen. Er ist außerdem Besitzer von Gut Sachsenwaldau im Sachsenwald und ein Freund Otto von Bismarcks.
1912-1920: Besitzerwechsel und aufwendige Renovierungen
Gruppenbild mit dem neuen Besitzer Gustav Adolf Redwitz um 1913 Quelle: Privatbesitz
Gustav Adolf Redwitz, Mitgesellschafter der Baden-Badener Zigarettenfabrik Batschari, erwirbt die Villa Merck 1912 und nennt sie künftig „Villa Eden“. Redwitz lässt das Anwesen aufwendig renovieren und orientiert sich zusammen mit dem Baden-Badener Architekten Johannes Scherzinger bei der Innenausstattung am Stil der Zeit, dem Jugendstil. Der Park wird umgestaltet, mit Teich, Laubengang und privatem Tennisplatz, das Schweizerhaus als Nebengebäude errichtet.

Redwitz kommt 1914 auf einer Geschäftsreise in einem seiner neuen Automobile bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Architekt Scherzinger übernimmt die Verwaltung und vermietet die Villa an den deutsch-amerikanischen „Kaffee-Baron“ Hermann Sielcken. Zwei unverheiratete Schwestern des verunglückten Redwitz bleiben im Schweizerhaus wohnen.
1920-1939: Kauf und Bewohnung durch das Ehepaar Biron
Veranda mit Blick auf den Schwarzwald Quelle: IHK Archiv
Françoise Prinzessin Biron von Kurland, Ehefrau von Gustav Prinz Biron von Kurland, erwirbt die Villa Eden 1920. Die Gutsbesitzer aus Groß-Wartenberg in Schlesien wählen Baden-Baden zum neuen Lebensmittelpunkt, nachdem ihr schlesischer Familienbesitz aufgrund des Versailler Vertrags 1919 teilweise an Polen fiel.
1939-1957: Übergabe des Anwesens an die Stadt Baden-Baden, französische Militärverwaltung
Kriegsinvalide Soldaten auf der Gartentreppe Quelle: Privatbesitz
Im Palais Biron wird während des Zweiten Weltkriegs ein Lazarett eingerichtet, im Schweizerhaus ein Wöchnerinnenheim.
Ab 1945 richtet die französische Militärverwaltung im Palais Biron eine Dienststelle des Gemeindienstes Sûrteré Nationale ein. Der aus dem Exil zurückkehrende Schriftsteller Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“) ist als Kulturbeauftragter der französischen Militärverwaltung tätig.

1957-1985: Renovierung und Beginn der Nutzung durch IHK und BBUG
Das Palais Biron in den 1960er Jahren Quelle: IHK Archiv
Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten durch den Baden-Badener Architekten Kurt Walker wird das Palais Biron in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wiedereröffnet. Die IHK Baden-Baden verlegt ihren Sitz ins Palais Biron, dort finden auch die Baden-Badener Unternehmergespräche statt.

Die IHK Baden-Baden fusioniert 1972 mit der IHK Karlsruhe. Das Mietverhältnis mit der Stadt Baden-Baden wird fortgesetzt. Die Pläne zur Umwandlung des Palais Biron in ein Steigenberger Hotel, mit umfangreicher Bebauung des Parks, scheitern 1976 am Widerstand der IHK Karlsruhe.
1985-heute: Kauf und Erhaltung des Palais durch IHK und BBUG
Die IHK Karlsruhe und die Baden-Badener Unternehmergespräche investieren sieben Millionen DM zur Erhaltung des Palais Biron und zur Nutzung als Tagungshaus der Wirtschaft (Architekt: Prof. Johannes A. Heinz Jakubeit, Karlsruhe).

Im Jahr der deutschen Wiedervereinigung 1990 wird das Palais Biron Tagungshaus der Wirtschaft eröffnet. Die IHK Karlsruhe richtet die IHK-Hauptgeschäftsstelle Baden-Baden ein, die BBUG die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses e. V. Anlässlich des 350-jährigen Jubiläums der Lichtentaler Allee 2004 wird das Parkgelände saniert. Die Wege werden nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Palais Biron und IHK Karlsruhe unterstützen die Bewerbung Baden-Badens als Unesco-Weltkulturerbe.
2010 wird eine Rose des französischen Züchters Pierre Orard aus Lyon im Rahmen der Baden-Badener Rosentage auf den Namen „Palais Biron“ getauft.

